FILMKRITIKEN









My summer of love(2005)
Regie: Pawel Pawlikowski





"This is Edith Piaf. I just adore her. She was this marvellous Parisian woman who had such a wonderfully tragic life. She was married 3 times & each husband died in mysterious circumstances. The last one was a boxing champion and she killed him with a fork. She didn't even go to prison because in France crimes of passion are forgiven."


Von der British Film Academy zum besten britischen Film 2005 ausgezeichnet, vier Nominierungen für den Europäischen Filmpreis, zahlreiche andere Preise und Nomierungen bei britischen Filmfestivals. Die Erwartungen sind hoch bevor man Pawlikowskis Werk „My summer of love“ selbst sieht. Diejenigen, die Wert auf einen spannenden Handlungsstrang legen, sollten den DVD-Player lieber auslassen. Filmästheten hingegen dürfen sich freuen.

Denkt man an den modernen britischen Film, kommen einem entweder die Farbe Grau, Regen und Großstadtdepression in den Sinn oder leichte bis mittelschwere Liebeskomödien mit Hugh Grant. Natürlich nur ein Klischee, das aber in jedem Fall durch das Drama „My summer of love“ durchbrochen wird. Als Zuschauer fällt es schwer sich an den saftig grünen Hügeln, den grellen Sommerkleidern und dem babyblauen Himmel der englischen Provinz satt zu sehen. Der idyllische Schauplatz des Films ist zu der melancholischen und teils düsteren Story ähnlich gegensätzlich wie die zwei Protagonistinnen zueinander. Tamsin (brillant gespielt von Emily Blunt) ist ein selbstsicheres und gebildetes Mädchen, dass aus reichem Hause stammt und gerade von ihrem Privatinternat suspendiert wurde. Mona (Natalie Press) gehört, wie man so schön sagt, dem Arbeiterproletariat an. Ihre Mutter starb an Krebs und nun lebt sie alleine mit ihrem Bruder, der durch einen Gefängnisaufenthalt geläutert wurde und einer religiösen Sekte beigetreten ist. Die beiden Mädchen haben dem Sommer über nichts zu tun und als sie sich zufällig kennen lernen entwickelt sich ein leidenschaftliches Verhältnis. Aber so einfach ist es nicht, denn nur für die eine ist es Liebe, für die andere ist es ein perfides Spiel.

Es ist zu empfehlen, den Film im Original anzuschauen, da durch den Akzent von Mona und das hochgestochene Englisch von Tamsin die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten der beiden sehr deutlich werden.
„My summer of love“ besticht durch eins: Atmosphäre. Diese ist unverwechselbar. Bei einzelnen Szenen möchte man auf die Stopptaste drücken um das jeweilige Bild länger als nur eine Sekunde festzuhalten. Sei es beispielsweise bei der Szene vor dem Lagerfeuer oder die zweifelsohne geniale Schlussszene am Bach. Das Fundament der Atmosphäre ist allerdings die Musik von Alison Goldfrapp. Sie schafft es den schönen Bildern einen bitteren Beigeschmack zu liefern, der den Zuschauer daran erinnert, dass etwas nicht stimmt. Die Musik ist mysteriös und rätselhaft. Sie fesselt und zieht einen in seinen Bann genau wie Tamsin Mona.
Ein Film, den man nehr als einmal sehen sollte, da er von mal zu mal besser wird.



The good girl(2001)





"As a girl you see the world as a giant candy store filled with sweet candy and such. But one day you look around and you see a prison and you're on death row. You wanna run or scream or cry but something's locking you up. Are the other folks cows chewing cud until the hour comes when their heads roll? Or are they just keeping quiet like you, planning their escape."


Jennifer Aniston ist nicht im Kreise ihrer Freunde. Und das ist gut, denn in der viel zu wenig beachteten Tragikomödie "The good girl" aus dem Jahre 2002 zeigt die Schauspielerin nicht nur ihren zweifelsfrei vorhandenen Charme, sondern auch ihr darstellerisches Talent.

Jennifer Aniston ist Justine, eine 30jährige Frau, die trotz stiller Verzweiflung über die Monotonie ihres Lebens jeden Morgen ihren Dienst im Supermarkt "Retail Rodeo" antritt und jeden Abend zu ihrem bekifften und einfältigen Ehemann zurückkehrt.
Ihre Welt scheint stillzustehen bis eines Tages ein neues Gesicht im "Retail Rodeo" zu sehen ist. Holden (gespielt von Jake Gyllenhaal), ein junger erfolgloser Schriftsteller, ist der neue Mitarbeiter, der Justines Interesse geweckt hat.
Zwischen den beiden einsamen Seelen entwickelt sich eine Affäre, die genauso kurz wie leidenschaftlich ist.
Justine steht am Scheideweg: Bricht sie aus ihrem alten Leben aus in eine ungewisse Zukunft mit Holden oder bleibt sie in ihrem sicheren aber tristen Nest?

Der Film ist unbedingt sehenswert, auch wenn er sein Potenzial nicht völlig ausschöpft. Beweggründe für Justines Handeln bleiben dem Zuschauer oft verborgen.
Doch die teils herzzerreißenden Dialoge und der einmalige Nebencharakter der jungen Supermarktmitarbeiterin Cheryl können über die Schwächen im Spannungsbogen mehr als hinwegtrösten.








Verrückt/Schön






"You can be anywhere when your life begins. When the future opens up in front of you. And you may not even realize it at first, but it's already happening. "


Es gibt Liebesfilme, die schlicht und ergreifend schön sind. Die Handlung hat ihre Schwächen, den Dialogen fehlt der Tiefgang, aber das ist vollkommen egal.
So ist es auch bei "Verrückt/Schön", denn die Musik ist stimmungsvoll (der Soundtrack ist zu empfehlen), die Schauspieler sympathisch und die Atmosphäre zum in den Bildschirm hineinkriechen wollen.