BUCHKRITIKEN













Dies ist kein Liebeslied von Karen Duve

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„Wenn man erkennt, dass man den Verstand verliert, ist es das Klügste, die Sache für sich zu behalten und geistige Gesundheit vorzutäuschen, indem man sich wie alle anderen benimmt.“

„Dies ist kein Liebeslied“ tut weh. Umso befremdlicher ist es, dass man wirklich bei manchen Passagen im Buch laut lachen muss. Die dreißigjährige Anne Strelau erzählt, während sie auf dem Weg nach London zu ihrer Jugendliebe Peter ist, unverblümt von ihrer Kindheit und Jugend. Die zwei Konstanten in ihrem Leben waren bisher ihre ständigen Diätversuche und der Wunsch aus dem Kleinbürgertum auszubrechen.

In der vierten Klasse wird Anne zum ersten mal bewusst, dass sie sich zu schwer findet. „Der Entschluss zur ersten Diät ist ein einschneidender, wenn nicht sogar der wichtigste Moment im Leben eines Mädchens.“ Seither hungert oder frisst sie, aber essen kann sie nicht mehr. Mit dreißig hat sie den Kampf scheinbar endgültig aufgegeben.
Sie wiegt 117 Kilogramm und hat jede Form verloren. Für Anne ist es eine langsame und schleichende Form der Selbstzerstörung. Ob sie selbst gewählt ist, muss der Leser für sich entscheiden.

Die Protagonistin wird geprägt durch Demütigungen im Sportunterricht, seltsame Beziehungen und den Versuchen ein normales Leben zu führen, die manchmal in absurd komische oder traurige Situationen führen oder Anne in eine Therapie. Diese verlässt sie allerdings auch schnell wieder.
Karen Duve zeigt in ihrer hemmungslos kraftvollen Sprache die Brutalität des Alltags auf. Ein Roman, den man kaum aus der Hand legen kann. Von der vielseitigen Autorin sind außerdem zu empfehlen: „Regenroman“ und „Die entführte Prinzessin“.




The Jane Austen Book Club von Karen Joy Fowler





„Each of us has a private Austen.“

Mit diesen Worten beginnt der überaus charmante und fesselnde Roman „The Jane Austen Book Club“, in dem die Autorin Fowler die Geschichte von sechs verschiedenen Menschen erzählt, die zunächst durch nur einen gemeinsamen Nenner zusammengeführt werden: die englische Autorin Jane Austen.
Jocelyn, die Gründerin des titelgebenden Buchclubs, wählt die Mitglieder selbst aus, die sich einmal im Monat in dem kalifornischen Sacramento Valley treffen: Ihre Jugendfreundin Sylvia, gerade in Scheidung lebend, mit ihrer lesbischen Tochter Allegra, die 67-jährige Bernadette, die Französischlehrerin Prudie und Grigg, der einzige Mann in der Runde.

Sechs Menschen besprechen in sechs Monaten Jane Austens sechs Romane in sechs verschiedenen Häusern. Jeder von Ihnen hat einen anderen Lieblingsroman und sieht Austen in einem anderen Licht. Einmal ist sie eine Frau, die den Widerspruch lebte unglaublich romantische Liebesromane zu schreiben aber selbst nie zu heiraten. Ein anderes mal ist sie eine Schriftstellerin, deren Charaktere und Dialoge vielleicht geistreicher sind als die von William Shakespeare. Hitzige Diskussionen, aber auch Annäherungen und vielleicht sogar Liebe zwischen den anfangs so verschiedenen „bookclub members“ sind vorprogrammiert. Das Schöne daran ist, dass bei all dem Emma Woodhouse, Mr. Knightley, Mr. Darcy, Elinor und Marianne, Lizzie und die vielen anderen Figuren aus den Austen Romanen gegenwärtig sind. Genau wie Jane Austen selbst. Wer noch nie etwas von ihr gelesen hat, wird das Buch trotzdem mögen. Alle anderen werden es lieben.

Auf die Verfilmung des Romans (u.a. mit der einzigartigen Emily Blunt:“My summer of love“, „Der Teufel trägt Prada“) kann im Übrigen schon gespannt gewartet werden.