PLATTENKRITIKEN










Demo CD von Autopilot





„So Typen wie dich, kenn’ ich, ihr seid doch alle drogenabhängig, doch dein Verfall erschreckt mich nicht, ich küss’ dich nur im Neonlicht.“ (Drogenabhängig)


Ein Sonntag voller Langeweile hat auch seine Vorteile, denn dann bleibt endlich einmal Zeit für das Durchforsten des Internets nach neuen musikalischen Entdeckungen. Auf der Seite www.roteraupe.de führte mich meine Suche zufällig zu der Berliner Band Autopilot. Stefan Pinkernell, Susan Pawlak und Jörg Tellmann bilden das Elektropop-Trio aus der Hauptstadt, das momentan mit ihrem schönen Ohrwurm „Wasser aus der Spree“ bei Radio Fritz zu hören ist.

Die Demo CD mit neun Liedern der Band macht Spaß und gehört nicht zu den Exemplaren, die man einmal hört und dann im schwarzen Loch des CD-Ständers verschwinden lässt(wie zuletzt überraschenderweise „Ode to Ochrasy“ von Mando Diao, aber das ist eine andere Geschichte). Die Musik besticht durch Abwechslung: Tanzbare Elektroklänge, entspannte Reggaerythmen, Mitsing-Popmelodien. Die Texte wirken ungezwungen und so, als ob sie
in einem kreativen Moment schnell auf eine Serviette gekritzelt wurden.
Susan Pawlak besingt in „Keiner geht ran“ die Tage, die man lieber im Bett verbringt
(„Hab’ zu viel zu tun und überhaupt keine Lust, wie lange warte ich schon auf einen Kuss“?) während „Eiskremzeit“ oder „Gänsehaut Boy“ leichte und lebenshungrige Lieder sind, die man an einem lauen Sommertag hören möchte, während die Bratwurst auf dem Grill liegt und die eben zitierte Wartezeit auf den Kuss vorbei ist.

Es bleibt zu hoffen, das bald der wohlverdiente Plattenvertrag unterzeichnet werden kann, damit die 2Raumwohnungs und Klees merken, dass es auch besser geht.

Autopilot: Eine Gänsehaut Band.

www.autopilot-berlin.de



"Tails" von Lisa Loeb & Nine Stories







"She can't tell me that all of the love songs have been written
'Cause she's never been in love with you before, in love with you before" (Sandalwood)


"Tails" gehört ohne Frage in die Schatzkiste des Indie-Pop. Es ist ein leises Album, dass überschattet wird von einer Hit-Single, die Lisa Loeb fast als "One Hit Wonder" abstempelte.
Zugegebenermaßen: Das Prädikat "One Album Wonder" hätte sie verdient.

1994 begann Lisa Loebs musikalische Karriere im Abspann des Kultfilms "Reality Bites". Der später für den Grammy nominierte Song "Stay(I missed you)" war Teil des Soundtracks und führte mehrere Wochen die Billboard Singlecharts an.
Gerüchteköche behaupten, dass Schauspieler Ethan Hawke mit der Sängerin liiert war und maßgeblich dazu beitrug, dass Loeb eine Plattform für ihre Musik fand. Angeblich ist Hawkes Romandebüt "Hin und weg" stark inspiriert von der Liebesbeziehung zwischen den beiden Künstlern.

"Stay" ist das letzte Lied auf dem Album und man kann behaupten, dass jedes einzelne Lied, dass in der Trackliste vorher seinen Platz gefunden hat, absolut hörenswert ist. Ein besonderer Anspieltipp ist "Sandalwood". Es ist ein zartes Liebeslied, in dem Loebs Stimme und eine Akkustikgitarre genügen, um den Schmerz und zugleich die Schönheit, die in den Zeilen liegen, zu fühlen.
Während sie in dem einen Moment noch leise in das Mikrofon haucht, bricht ihre Stimme im Nächsten aus und der Hörer reitet auf dieser emotionalen Welle mit.
Die Songtexte wandeln zwischen Weltschmerz, Liebeskummer, Wut und auch Humor("If the way you drank your coffee was the way you looked at me,Then I could take both my hands off the TV").

Heute ist Lisa Loeb eine Frau die "Hello Kitty" verehrt und ihre eigene Reality Show im amerikanischen Fernsehen hat. "Tails" beweist, dass sie auch scheinbar einmal anders war.